4. Auflage 2010
1180 Seite(n), gebunden
lieferbar
EUR 129,00
Bücher Werner Verlag
ISBN 978-3-8041-4771-3
Der von erfahrenen Baurechtsanwälten, Richtern und Baubetrieblern verfasste Kommentar erläutert ausführlich die Neufassung der VOB/B 2009 und bezieht maßgebliche Vorschriften des novellierten BGB-Werkvertragsrechts ein. Er stellt darüber hinaus für die Auslegung unerlässliche vergaberechtliche Bezüge her, erklärt die Preiskalkulation bei Nachträgen und die Terminfortschreibung bei Störungen des Bauablaufs.
Das Bauvertragsrecht wird erschöpfend und mit vielfältigen Verweisen auf die Rechtsprechung und Fachliteratur kommentiert. Zahlreiche Fallbeispiele und Darstellungen gerichtlich entschiedener Sachverhalte – an denen die Verfasser teilweise mitgewirkt haben - mit ihren Auswirkungen auf die Vertragspraxis machen die komplizierte Materie anschaulich. Dabei kommt dem Leser zugute, dass die Autoren allesamt sehr erfahrene Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht bzw. einschlägig spezialisierte Richter und Sachverständige im Bauwesen sind. Recht und Technik werden wie in keinem anderen VOB-Kommentar in enger Verzahnung dargestellt.
Besonders instruktiv sind wiederum die konkreten, fachübergreifenden Darstellungen zu Prüfung und Aufbau von Nachtragsforderungen aus zusätzlichen und geänderten Leistungen sowie aus gestörtem Bauablauf und Vergabeverzögerung. Hier werden Ablaufstörungen exemplarisch dargestellt und dem Nutzer für alle wesentlichen Mehrvergütungsansprüche konkrete Berechnungsmethoden an die Hand gegeben, die nach Maßgabe der Rechtsprechung entwickelt wurden. Das Werk erörtert auch offene und bislang unentschiedene Rechtsfragen und gibt Empfehlungen zur Vertragsgestaltung. Erstmals enthält die 4. Auflage auch ein Kapitel mit der Darstellung und Kommentierung der FIDIC-Bauvertragsbedingungen für den Auslandsbau und Anlagenbau.
Weitere Informationen und eine Leseprobe finden Sie unter www.leinemann-vob.de
Rezension
Neuauflagen bergen die Gefahr, dass die anderweitig beanspruchten Autoren neue Entwicklungen nur noch notdürftig nachflicken, so dass sich die Neuauflage gegenüber der Vorauflage kaum verändert. Der „Leinemann zur VOB/B“ bannt diese Gefahr. Bei seiner hier vorzustellenden 4. Auflage handelt es sich um ein taufrisches Werk, das die vielfältigen Entwicklungen im Baurecht aufmerksam und sachkundig aufbereitet:
So werden die zahlreichen wegweisenden BGH-Entscheidungen aus jüngerer Zeit umfänglich analysiert. Dafür wird, wenn nötig, aus den Urteilen zitiert und der Sachverhalt mitgeteilt. Auf diese Weise erfährt der Leser nicht nur, was das Gericht genau entschieden hat, sondern auch, was noch offen geblieben ist, freilich nicht ohne auch insoweit sogleich Lösungen angeboten zu bekommen. Musterbeispiele sind die Kommentierungen von Oliver Schoofs (§ 2 Rdnrn. 46 ff., 196 ff.) und Ralf Leinemann (§ 6 Rdnrn. 236 ff.) zum Vergabeverfahrensrisiko im Anschluss an die BGH-Entscheidungen seit NJW 2009, 2443. Die Bistro-Entscheidung (NJW 2008, 2106) mit ihren Aussagen zum Vorliegen von Änderungsanordnungen (Schoofs, § 2 Rdnr. 189), einem daraus folgenden Mehrvergütungsanspruch und der Möglichkeit seines Anschlusses (Leinemann, § 2 Rdnr. 497), aber auch zur Auslegung unklarer oder unvollständiger Leistungsbeschreibungen (Leinemann, § 2 Rdnr. 537) wird ebenfalls breit berücksichtigt. Die Entscheidung des BGH aus NJW 2009, 835 zur Sittenwidrigkeit überhöhter Einheitspreise hat zu einer kompletten Neubearbeitung der Kommentierung des § 2 III Nr. 2 VOB/B geführt (Schoofs, § 2 Rdnrn. 87, 99 ff.). Diese Reihe von Beispielen ließe sich noch lange fortsetzen. Gewonnen hat das Werk auch durch eine Erweiterung des Autorenkreises. War mit Lothar Jünemann in der dritten Auflage der erste Richter dem Autorenteam beigetreten, wurde dieser Trend nun in Person des renommierten Baurechtlers Günther Jansen vom OLG Hamm fortgesetzt. Jansen unterzog die von ihm übernommenen § 5 und § 12 VOB/B einer Generalüberholung. Überdies behandelt der Kommentar neben der VOB/B und ausgewählten Vorschriften des BGB-Werkvertragsrechts nunmehr auch die im Auslandsbau vielfach verwendeten FIDIC-Bedingungen. Die Conditions of Contract for Construction (Red Book) werden auf ca. 120 Seiten nicht nur abgedruckt, sondern durch Marc Oliver Hilgers auch aussagekräftig kommentiert. Dabei geht die Umfangserweiterung nicht zu Lasten der Handlichkeit des Buches. Eine vorsichtige Vergrößerung der Druckseite, Verbesserung des Layouts und der Einsatz von Dünndruckpapier haben vielmehr dazu geführt, dass das Werk (zwar deutlich schwerer, aber) dünner geworden ist.
Insgesamt hat sich der „Leinemann“ mit der nun vierten Auflage binnen acht Jahren bestens etabliert. Nach der Übernahme des Carl Heymanns Verlags durch Wolters Kluwer beweist er sich verlagsintern neben dem ehrenwürdigen „Ingenstau/Korbion“ aufs Trefflichste als ein auf die VOB/B konzentriertes Werk. Wenn er dabei ausweislich seines Vorwortes antritt, um die Bedürfnisse der Praxis zu treffen, so lässt sich hinzufügen: Auch der Wissenschaftler greift gern und mit großem Gewinn zum „Leinemann“!
Professor Dr. Florian Jacoby, Bielefeld